Repräsentation der diversen Stadtgesellschaft: Diskriminierungskritisches Kuratieren von Erinnerung und Kunst im öffentlichen Raum
In einem umkämpften gesellschaftlichen Feld geben Stadtratsbeschlüsse, Strategien und Konzepte der Stadt Leipzig eine Orientierung, welche Themenfelder virulent sind und welche vermehrt in den Blick genommen werden sollen. Doch was bedeuten diese Pläne, wenn man sie diskriminierungskritisch betrachtet und welche konkreten Themen sollten behandelt werden?
Katharina Cibulka: As long as diversity is not state of the heart, I will be a feminist (2020).
Künstlerische Intervention am Baugerüst Schillerplatz (Wien).
In welcher Stadt leben wir? Lücken in der Erinnerungskultur
Leipzigs Stadtraum ist mehrheitlich vom 19. Jahrhundert geprägt, als die Stadt eine enorme wirtschaftliche Entwicklung erlebte und die Mehrzahl seiner Wohn- und Geschäftsgebäude entstand. Ihre Architektur wurde ausnahmslos von männlichen Architekten erschaffen. Das Gedenken ist – wie in den meisten europäischen Städten – aus einer patriarchalen Gesellschaft heraus geprägt. Das vornehmliche Gedenken an Kriege, Schlachten, ihren Helden und hauptsächlich Männer aus Wissenschaft und Kultur entspricht den Wertvorstellungen einer bürgerlichen weiß1-männlich geprägten Mehrheitsgesellschaft.
Daran zeigt sich wie sehr der öffentliche Raum noch nicht diskriminierungsskritischen Parametern folgt – von dezidiert dekolonialen Perspektiven ganz zu schweigen. Kunst und Erinnerungskultur des städtischen Raums können nicht von einem neutralen Ort aus gedacht und geplant werden, da in ihm schon vergangene Machtverhältnisse eingeschrieben sind. Sie wirken in eine diverse Gesellschaft hinein, die sich radikal von der des 19. Jahrhunderts unterscheidet.
Leipzigs marginalisierte Themenfelder P(ost)migrantische Erinnerung an die DDR, die Wende und Kritische Kolonialgeschichte
Die Denkmäler Leipzigs erinnern hauptsächlich an die Völkerschlacht, Leipziger Persönlichkeiten2 sowie dem nationalsozialistischen Unrechtsregime und dessen verheerenden Folgen.3 Ein weiteres wichtiges Thema ist die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten 1989/90. Dabei wird in Leipzig die Wende hauptsächlich als ein heldenhaftes Ereignis erzählt. Was fehlt, sind die Perspektiven of Colour, die die Geschichte anders erlebten, solche von Ausweisung und ungeklärtem Status.4 Wenn weiß-ostdeutsche Bürger:innen zweiter Klasse waren, was waren dann migrantische bzw. migrantisierte5 Ostdeutsche? Für sie gab es keinen Wendetaumel. Der zuvor tabuisierte Rassismus zeigte und entlud sich gewalttätig: Viele mussten plötzlich das Land verlassen oder in die alten Bundesländer gehen.6 Der Mauerfall bedeutet eine zum Teil lebensbedrohliche Ausnahmesituation, die mit Angst, Einschränkung der Freiheit, Unsicherheit der Existenz und Verlust der Arbeit bzw. Ausbildung einherging. Weiße Deutsche grenzten aus und übten massiv psychische und physische Gewalt aus. Es gab in migrantischen Kreisen ein selbstverständliches Wissen um das Meiden von Orten, Uhrzeiten und Menschen.7 Die Chance einen Diskurs zu führen, in dem „Das Volk“ Migrant:innen als „neue Deutsche“ umfasst, kam nicht zustande. Fragen der Zugehörigkeit und einer neuen deutschen Identität wurden in den 1990ern als ein Thema der Mehrheitsdeutschen verhandelt.
Von ihnen nicht wahr- oder ernstgenommen wurden diese Fragen jedoch von Migrant:innen und ihren Nachfahren selbst erörtert.8 Die DDR- und Transformationsgeschichte ist migrantisch wie auch die deutsch-deutschen Geschichte es ist. Es besteht die Chance, diese als eine gemeinsame Geschichte aufzuarbeiten. Migrant:innen / Migrantisierte als auch Weiß-Deutsche lebten in einer Diktatur mit ihren Mechanismen der Herrschaft wie Bespitzelung, System der Privilegierung etc. Wie wird jedoch an DDR-Unrecht erinnert? Wie werden die persönlichen Wunden, die ebenso eine kollektive Erfahrung waren, diskursiv behandelt z.B. vom guten Freund bespitzelt worden zu sein, als „unbequeme“ Bürgerin das eigene Kind weggenommen zu bekommen9 oder als Jugendliche:r in Gefängnissen ausgebeutet worden zu sein?10
Zur Teilhabe gehört die Repräsentation von kultureller Geschichte, widerfahrenem Unrecht und eigenen und auch kollektiven Leistungen.
In einigen westdeutschen Städten (z.B. in Lehrte, München, Fürth) trifft man auf Kunst, die „Gastarbeiter:innen“ und ihren Verdiensten gewidmet sind. Für Dortmund läuft zurzeit (Januar 2025) eine Ausschreibung, in der die Auswahljury paritätisch und interdisziplinär besetzt ist.11
Gastarbeiterdenkmal in Lehrte 2022
Ob Bronzeskulpturen die geeignete Form des Erinnerns sind, ist zu debattieren: Eine sichtbare Anerkennung der Leistungen ehemaliger Vertragsarbeiter:innen wäre ein wichtiges versöhnendes Zeichen. Sie haben sich trotz größter Schwierigkeiten von Seiten des alten und neuen Staates Existenzen aufgebaut und sind Teil der Leipziger Stadtgesellschaft.
Damit einhergehend fehlt bisher die Anerkennung der rassistischen Gewalttaten, die von den DDR-Regierungen tabuisiert wurden und anderes Unrecht wie der Zwang zur Abtreibung, denen Vertragsarbeiterinnen unterlegen waren.
Der UN Bericht „Memorialisation Processes“12 besagt, dass Erinnerung nicht nur die Vergangenheit behandelt, sondern genauso die Gegenwart, um Heilungsprozesse zwischen Bevölkerungsgruppen zu ermöglichen. Sie ist in die Zukunft gerichtet, um künftige Gewalt durch Bildung und Bewusstseinsbildung zu verhindern. Die Suche nach Wahrheit und Aufklärung ist ein Menschenrecht, das vom internationalen Recht anerkannt ist.
Koloniales Erbe
In der sehr jungen Geschichte Leipzigs zeigen sich Kontinuitätslinien einer Erinnerungskultur, in der den Perspektiven und Werten von Leipziger Bürger:innen, die negativ von den Auswirkungen des Kolonialismus betroffen sind, nicht Rechnung getragen wird.
So wurde noch 2010 eine Schule und eine Straße in Ernst-Pinkert Straße umbenannt. Diese ehren den Initiator des Leipziger Zoos. Da der Zoo als solches sehr beliebt bei Leipziger Familien ist und eine überregionale Strahlkraft hat, scheint dies legitim und naheliegend. Was jedoch wissend in Kauf genommen wurde, ist die Tatsache, dass Pinkert rassistische Völkerschauen ausrichtete und von ihnen profitierte. Die Schauen trugen dazu bei Ungleichheitsideologien und Exotismus in der Bevölkerung zu verbreiten. Koloniale Ausbeutung und Menschenfeindlichkeit werden mit einer Ehrung als vernachlässigenswerte Phänomene der Vergangenheit verklärt.
An der Aufarbeitung der Kolonialgeschichte Leipzigs sind zivilgesellschaftliche Akteur:innen und Initiativen beteiligt, so z.B. das Bündnis ,und die Initiative zur kritischen Aufarbeitung der Menschenschauen im Leipziger Zoo.13 Institutionell ist das Grassi Museum für Völkerkunde aufgrund des Sammlungsgegenstandes und der Initiative der ehemaligen Direktorin Léontine Meijer van Menschen Impulsgeberin. Es gibt einen Arbeitskreis zum kolonialen Erbe der städtischen Leipziger Kulturinstitutionen, der nur selten tagt.
Welche Faktoren eine kritische Aufarbeitung begünstigen wird am Beispiel der Berliner Dekoloniale14 deutlich: Eine aktive zivilgesellschaftliche, antirassistische Allianz, die sich aufgrund von persönlichen Rassismuserfahrungen kritisch mit der deutschen und lokalen Kolonialgeschichte auseinandergesetzt hat und ihre Aufarbeitung mit langem Atem einforderten, es also ein Fach- und Erfahrungswissen gibt.
Die Bereitschaft aller Akteur:innen das Erbe des Kolonialismus zunächst in seinen Dimensionen und aktuellen Auswirkungen anzuerkennen und es wissenschaftlich, künstlerisch und immer gegenwarts- und zukunftsorientiert zu erforschen ist nötig, außerdem eine Städtische Verwaltung, die auf Augenhöhe arbeitet, Mittel bereitstellt sowie institutionelle Kooperationspartner mit Methodenexpertise wie z.B. Kunst oder ethnologische Museen.
Kang Sunkoo: Statue of Limitations (2022). Nachtigalplatz im Afrikanischen Viertel, Berlin-Wedding.
Kang Sunkoo: Statue of Limitations (2022). Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss.
Gedenkkultur der Mehrheitsgesellschaft
Die Notwendigkeit diversitätsseniblen Kuratierens wird außerdem anhand der neuen Schwerpunkte im Konzept Erinnerungskultur der Stadt Leipzig klar, wie einer bürger:innennahen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, sowie Kolonialismus und Transformationsgeschichte seit 1989 und Migrationsgeschichte.15 Der Marginalisierung dieser Themen soll entgegengewirkt werden. Im Konzept befinden sich also Themen, die insbesondere die Lebensrealität von Menschen mit Migrationsgeschichte betreffen. Für sie sind die Wirkmechanismen von kolonialen Denktraditionen in Form von Rassismus und Stereotypisierungen, sowie den wirtschaftlichen Folgen direkt(er) spürbar und es gibt ein breites Allgemeinwissen darüber.
In den bisherigen Tätigkeiten der neu geschaffenen Stelle für strategische Erinnerungspolitik braucht es hier die proaktive Gewinnung und Einbindung der bekannten BIPoC16 Akteur:innen in die strategische Planung und Gestaltung. Handlungsableitungen und Meilensteine müssen gemeinsam mit ihnen erarbeitet und strukturell in den Aufgaben der Stadtverwaltung verankert werden, damit eine Diversifizierung der Erinnerungsarbeit sichtbar wird.
Es braucht Verantwortliche mit Willen und Lust, die Stadt kulturell für alle zu öffnen. Die Verdienste, die Verflochtenheit von Geschichte, die vielfältige Gesellschaft als unabwendbare Realität und Chance zu begreifen und zu kommunizieren, wäre wichtig für den sozialen Zusammenhalt der Leipziger Stadtgesellschaft.
Gerade in einer Zeit, in der demokratiefeindliche Stimmen mehr Zustimmung erfahren und die Haushalte knapper werden, ist es seitens der Stadtpolitik notwendig, demokratiefördernden Projekte weiterhin finanziell zu unterstützen und zu prüfen.
In der Leipziger Verwaltung fehlt noch das umfassende Verständnis, dass es wichtig und gewinnbringend ist, mit Wissenschaftler:innen mit Erfahrungswissen zu Rassismus, Sexismus, Ableismus etc. zusammenzuarbeiten. Wissenschaftlichen Fragestellungen geht immer ein persönliches Interesse an einer Forschungsfrage voraus. Der eigene Bias spielt eine Rolle und die Werturteilsfreiheit ist auch in der Wissenschaft nicht gegeben, wie feministische Wissenschaftstheorie herausgearbeitet hat. Somit ist es von Nöten der wissenschaftlichen Arbeitsweise, das Erfahrungswissen anbei zu stellen.
Angesichts des langen Abwehrens von und Schweigens zu Rassismus ist es erwartbar, dass schmerzhafte Debatten geführt werden: weiße Beteiligte sollten sich zur Vorbereitung und Vermeidung vorab mit Rassismus und ihrer Rolle in der Gesellschaft auseinandersetzen. Es ist wichtig, Mediationsverfahren mitzudenken, so dass es nicht zum Abbruch der Kooperationen kommt. In einer Konferenz, in der überregionale erfahrene Akteur:innen mit lokalen Akteur:innen und der Stadtverwaltung zusammenkommen, könnten Wissen und Best und Worst Practices ausgetauscht werden.
Kunst im öffentlichen Raum
„Die Richtlinie LEIPZIG // STADT // RAUM // KUNST geht auf die Herausforderungen ein, die aus den gegenwärtigen Transformationsprozessen in der Stadt Leipzig resultieren.Kunst im öffentlichen Raum und Kunst am Bau werden dabei als Katalysatoren für kulturelle wie demokratische Bildung und als Kommunikationsplattformen gesehen, auf der sich Stadtverwaltung und Stadtgesellschaft, unterschiedliche Interessengruppen, Gemeinschaften, Szenen und Milieus begegnen können.“17
In dieser Richtlinie finden sich außerdem Leitsätze wieder, die auf eine diskrimierungskritische Ausrichtung hoffen lassen u.a. .:
integrative und generationsübergreifende Ansätze
Transkulturalität und kulturelle Diversität
progressive Beteiligungsformen und öffentliche Debattenkultur
zivilgesellschaftliches Engagement
Wenn, wie in der Publikation Stadtkurator*in Einblick/Überblick/Ausblick Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Leipzig von der Einbindung der Bewohner:innen in sozial engagierter Kunst gesprochen wird, bleibt die Frage wichtig, inwieweit die Kunst und Kultur in die Rolle einer „Feuerwehr“ einer unzureichenden Sozial-, Wirtschafts- und Stadtteilpolitik gedrängt wird.
Es stellen sich folgende Überlegungen : Was haben Mitglieder bestimmter Netzwerke/ Communities davon, sich an Projekten im öffentlichen Raum zu beteiligen? Es springen Personen, gerade wenn sie noch keine Berührungspunkte oder diskriminierende Erfahrungen mit Ämtern gemacht haben über ihren Schatten und leisten emotionale Arbeit. Es liegt Verantwortung auf den Initiator:innen solcher Prozesse, da menschliche Beziehungen, Vertrauen und Hoffnungen aufgebaut werden. Paternalismus wird oft von Mitarbeiter:innen der Institutionen nicht genügend reflektiert, wodurch die berühmte Augenhöhe ausbleibt. Es braucht Vertrauenspersonen aus BIPoC-Communites, die Brücken zwischen Stadtverwaltung, Künstler:innen und Vereinen bauen und die Prozesse transparent begleiten. Da das Personal aktuell mehrheitlich aus weißen Akademiker:innen besteht, muss das Personal mittel- und langfristig diversifiziert werden.
Projekte sind so strukturell zu verankern, dass sie im besten Fall nicht den Sparplänen der nächsten Regierung bzw. Stadtrat zum Opfer fallen.
Neben den communitybastierten Kunstvorhaben wird es weiterhin objektzentrierte Kunst am Bau geben. Gefragt sind hier neben Analysefähigkeit und Kreativität gute Projektmanagementskills, die kaum im Studium (jedenfalls nicht in Leipzig) gelehrt werden.18
Behördliche Sprache und Verfahrensweisen sind für viele Künstler:innen eine Hürde. Für Künstler:innen of Colour, die diskriminierende Erfahrungen seitens Behörden machen, gibt es hier eine noch größere Distanz. Es wäre zu überprüfen, wen die Ausschreibungen erreichen und wie man diesen Kreis erweitern kann, um auch strukturell benachteiligte Menschen zu erreichen und wie diese Verfahren und Kunstwerke von kritischen Perspektiven profitieren können.
Eine serviceorientierte Verwaltung, die unabhängig der Person hilfsbereit und lösungsorientiert ist, ist wichtig. Die Überprüfung der Verwaltungsvorschriften und des Verwaltungsaufwandes könnten Barrieren abbauen.
Es könnte von der Stadt, Hochschule oder Museen organisierte Beratungsstunden als Nachwuchsförderung für Kunst am Bau geben, bei der Erfahrene ihr Wissen an Newbies weitergeben.
Papier ist geduldig.
Die Richtlinien bieten eine solide Grundlage, um mehr Diversität in der Kunst- und Erinnerungskultur des öffentlichen Raums zu erreichen. Jedoch fehlt es häufig an konkreten Umsetzungen und dem politischen Willen, diese in die Praxis zu übertragen. Zudem ist es entscheidend, Verwaltungspersonal und Jurys zu diversifizieren, um marginalisiertes Wissen, Erfahrungen und Netzwerke einzubringen. Nur so kann eine wirklich gleichberechtigte repräsentative Kultur der gesamten Stadtgesellschaft geschaffen werden.
Fußnoten
"Weiß" und "Weißsein" bezeichnen ebenso wie "Schwarzsein" keine biologischen Eigenschaften und keine reelle Hautfarbe, sondern eine politische und soziale Konstruktion. Mit Weißsein ist die dominante und privilegierte Position innerhalb des Machtverhältnisses Rassismus gemeint, die sonst zumeist unausgesprochen und unbenannt bleibt. Weißsein umfasst ein unbewusstes Selbst- und Identitätskonzept, das weiße Menschen in ihrer Selbstsicht und ihrem Verhalten prägt und sie an einen privilegierten Platz in der Gesellschaft verweist, was z.B. den Zugang zu Ressourcen betrifft. Eine kritische Reflexion von Weißsein besteht in der Umkehrung der Blickrichtung auf diejenigen Strukturen und Subjekte, die Rassismus verursachen und davon profitieren, und etablierte sich in den 1980er Jahren als Paradigmenwechsel in der englischsprachigen Rassismusforschung. Anstoß hierfür waren die politischen Kämpfe und die Kritik von People of Color.
Aus: Wer anderen einen Brunnen gräbt … Rassismuskritik // Empowerment // Globaler Kontext. (2012, 15. September). weisweissein. Veröffentlicht online. (Zugriff am 04.02.25)
„Vorwiegend an die Gelehrten erinnern, die der Universitätsstadt verbunden waren, {..} Gottfried Wilhelm Leibniz und Johann Wolfgang Goethe, oder auch an Musiker, die Leipzig zu Weltrang verholfen haben, wie etwa an Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Richard Wagner. Beispielhaft aus der Vielzahl der Personendenkmale sind auch jene für die Frauenrechtlerinnen Louise Otto Peters und Clara Zetkin, die in ihrer Leipziger Zeit wegweisend gewirkt hat.“ Aus: Stadt Leipzig. (2020). LEIPZIG // STADT // RAUM // KUNST: Strategie und Richtlinie der Stadt Leipzig zu Kunst im öffentlichen Raum und Kunst am Bau bei kommunalen Hochbaumaßnahmen (gültig ab 01.01.2021). Veröffentlicht online.
Julia Kurz. (2023). Stadtkurator*in Leipzig – Überblick/Einordnung/Ausblick: Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Leipzig, [Handreichung].
Große Teile der Texte und Recherchen sind im Journal #1 „Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Leipzig – eine Einführung“ dieser Online-Bibliothek veröffentlicht.
Eine von der Stadt beauftragte „Evaluation der Institutionen und Maßnahmen zur Erinnerung an die Friedliche Revolution vom Herbst 1989“ aus dem Jahr 2024 betont ebenfalls, dass migrantische Perspektiven auf den Herbst 1989 stärker berücksichtigt werden sollten. Die Evaluation zur Gedenkkultur in Leipzig stellt fest, dass diese Stimmen bisher kaum eingebunden sind, obwohl ihre Einbeziehung für ein umfassendes und inklusives Erinnern unerlässlich ist (vgl. S. 213). Die kontinuierliche Erweiterung der thematischen Vielfalt in der Erzählung der Friedlichen Revolution würde das Thema lebendig und anschlussfähig halten, indem eine bislang wenig einbezogene Gruppe aktiv mit einbezogen wird. Eine stärkere Sichtbarkeit von BIPoC-Perspektiven (Black, Indigenous and People of Color) würde zudem die Vielfalt der Gesellschaft besser abbilden und die demokratische Legitimation der Erinnerungskultur nachhaltig stärken.
Vgl. Universität Leipzig. (2024). Evaluierung der Institutionen und Maßnahmen zur Erinnerung an die Friedliche Revolution vom Herbst 1989 in Leipzig (2014–2023). Veröffentlicht online.
Personen werden unabhängig davon, ob sie sich als Migrant:innen verstehen, aufgrund ihres Äußeren, ihrer Sprache oder Namen als solche gelabelt.
Auch für BIPoC (Black, Indigenous and People of Color) aus Berlin West war die Wende deshalb existenzbedrohend.
Vgl. Urmila Goeal. (2013). Unerhörte Stimmen: Überlegungen zur Ausblendung von Migration in die DDR in der Migrationsforschung. In D. Gürsel & Z. Çetin (Hrsg.), Wer MACHT Demo_kratie? Kritische Beiträge zu Migration und Machtverhältnissen (S. 138–150). Münster. Veröffentlicht online. (Zugriff am 4. Februar 2025)
In der Ausstellung Labor `89. Neue Perspektiven auf die Wendezeit wurden einige dieser Akteur:innen und ihre Anliegen und Kämpfe aus Ost und West vorgestellt. Vgl. Piesche, Peggy (Hg). (2019). Labor 89. Intersektionale Bewegungsgeschichte:n aus Ost und West. Berlin.
Anna Kaminsky, Dorothee Weitbrecht (Hrsg.). (2024).Niños Robados: Gestohlene Kinder / Stolen Children (Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung). Herausgegeben von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Elisabeth-Käsemann-Stiftung. S. 99.
Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft UOKG e.V. (2021–2023). Webportal DDR Zwangsarbeit. Jugend erinnert. Veröffentlicht online. (Zugriff am 04.02.2024)
Stadt Dortmund. (o. J.). Denkmal für Gastarbeiterinnen. Dortmund.de. Veröffentlicht online. (Zugriff am 04.02.2024)
Special Rapporteur on the promotion of truth, justice, reparation, and guarantees of non-recurrence. (2020, 9. Juli). Memorialization processes in the context of serious violations of human rights and international humanitarian law: The fifth pillar of transitional justice (A/HRC/45/45). United Nations Human Rights Council. Veröffentlicht online. (Zugriff am 03.02.2025)
Der Leipziger Stadtrat beschloss u.a. aufgrund des Drucks der Initiative und des Migrant:innenbeirats Leipzig zwischen 2020 und 2024 mehrere Maßnahmen zur Aufarbeitung kolonialer Geschichte, insbesondere im Zoo Leipzig: Veranstaltungen mit stereotypen Inhalten sollten ersetzt, koloniale Kontinuitäten aufgezeigt und eine Erinnerung an Völkerschauen geschaffen werden. Als einzige nennenswerte Umsetzung gilt die teilweise Überarbeitung von Zoo-Veranstaltungen wie „Hakuna Matata“. Weitere Maßnahmen wie die Integration kolonialer Geschichte in städtische Ausstellungen sowie eine geplante Informationstafel zu Völkerschauen wurden begonnen bzw. angekündigt.
Der jüngste Stadtratsbeschluss zum Thema betrifft ein Forschungsprojekt der Universität Leipzig und FernUniversität Hagen zur systematischen Untersuchung kolonialer Verflechtungen in Leipzig. Ziel sei es, auf wissenschaftlicher Grundlage ein differenziertes Bild kolonialer Kontinuitäten zu entwickeln und eine valide Basis für erinnerungspolitische Entscheidungen der Stadtgesellschaft zu schaffen.
Dekoloniale – Erinnerungskultur in der Stadt. (2025). Veröffentlicht online. (Zugriff am 01.07.2025)
Stadt Leipzig. (2023). Konzept Erinnerungskultur der Stadt Leipzig (Bestätigt in der Ratsversammlung am 16. November 2023). Veröffentlicht online. (Abruf am 24.04.2025)
BIPoC (Black, Indigenous and People of Color) ist eine Selbstbezeichnung von und für Menschen mit Rassismuserfahrungen.
Vgl. Fußnote 2
Der Studiengang »Kunst im öffentlichen Raum und neue künstlerische Strategien / Public Art und New Artistic Strategies« an der Bauhaus-Universität Weimar soll zum Wintersemester 2029/30 aufgehoben werden.
An der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg wird das Thema als Teil des performanceorientierten Masterstudiengangs „Live Art Forms“ angeboten. Von 2016 bis 2018 gab es dort zudem eine Gastprofessur für Künstlerisches Handeln im öffentlichen Raum, unter anderem durch das Leipziger Künstlerduo Famed.
An der Universität der Künste Berlin existiert der Studiengang „Art in Context“, der ebenfalls öffentlichkeitsbezogene Kunst behandelt.
Eher vermittlungsorientiert ausgerichtet ist der Studiengang „Arts and Community“ an der privaten Hochschule für Künste im Sozialen (HKS) in Ottersberg.
(Zugriff jeweils am 06.02.2025)
Sithara Weeratunga lebt und arbeitet als freiberufliche Kuratorin, Museumspraktikerin, Autorin und DJ in Leipzig, Berlin und Colombo.
Aus einer diskriminierungskritischen Perspektive kuratiert sie an der Schnittstelle von Kunst, Politik und Community. Kunst begreift sie als sinnlichen Zugang zu gesellschaftlich relevanten Themen ebenso wie zu individuellen Emotionen. Am Museum der bildenden Künste Leipzig verantwortete sie im Rahmen des Programms 360° – Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft den Öffnungsprozess der Institution mit, kuratierte u.a. die Ausstellung Re-Connect – Kunst und Kampf im Bruderland und initiierte partizipative Formate. Zuvor war sie am Jüdischen Museum Berlin tätig, mit Fokus auf Antisemitismus, Migration und Erinnerungskultur. Mit ihrer Arbeit fordert sie die weißen Machtstrukturen des Kulturbetriebs heraus und setzt sich für Gerechtigkeit und Sichtbarkeit marginalisierter Menschen ein.