Aufwärmen eines Steins
Austauschformat zum Leipziger Kolonialstein

Im November 2025 luden Stadtkuratorin Leipzig und die Initiative you are warmly invited in Kooperation mit der GfZK zu einem anderthalb tägigen Austauschformat zum Leipziger Kolonialstein ein, um über dessen Bedeutung als Erinnerungsort in Austausch zu kommen und Perspektiven für einen zukünftigen Umgang zu entwickeln. Das Format verband künstlerische, wissenschaftliche und aktivistische Input-Formate mit moderierten Feedback-Methoden, die einen offenen, prozessorientierten Austausch ermöglichten.
Am ersten Workshoptag in der GfZK wurden inhaltliche Perspektiven auf den Kolonialstein geteilt. Eine Vertreterin von Leipzig Postkolonial stellte historische Recherchen und die aktivistische erinnerungskulturelle Arbeit der 2011 gegründeten Gruppe vor. Ergänzt wurden diese Einblicke durch Infos der Stadtverwaltung Leipzig zu laufenden Projekten zur Erforschung der Rolle Leipzigs in der Kolonialzeit, die aktuell auf Basis von Beschlüssen des Leipziger Stadtrats zum Umgang mit dem kolonialen Erbe Leipzigs umgesetzt werden. Die namibische Künstlerin Tuli Mekondjo thematisierte in einer aufgezeichneten Rede Kontinuitäten von kolonialer Gewalt und die Frage von Verantwortung der Täter:innen. Ras Yohannes sprach aus künstlerischer und aktivistischer Perspektive als Person of Colour über die Verbindungslinien von Kolonialgeschichte und gegenwärtigem Rassismus und betonte die Bedeutung selbstrepräsentierter Erinnerung.
Der zweite Tag verband künstlerische Interventionen mit gemeinsamer Reflexion. Vor Ort am Kolonialstein erlebten die Teilnehmenden Kathleen Bomanis Audioarbeit „Water Music“, die die koloniale Gewalt in Tansania mit ihrer Familiengeschichte, Landschaft und Ritualen verknüpfte. Am Nachmittag entblätterte Felix Pachollek in seiner Lecture Performance „Einem Stein begegnen“ die vielschichtigen, historisch aufgeladenen Ebenen des 1924 im Wilhelm-Külz-Park aufgestellten Findlings.
In mehreren Feedbackformaten, moderiert von Juana Awad und dem Orga-Team, wurden Reaktionen zum Kolonialstein gesammelt und Leerstellen sichtbar gemacht. Die Teilnehmenden thematisierten strukturelle Defizite dekolonialer Erinnerungsarbeit, fehlende Räume und die Mehrbelastung von People of Color. Deutlich wurde der Wunsch nach einer langfristigen, gemeinschaftlich getragenen und vernetzten Erinnerungspraxis mittels transdisziplinärer und diverser Formate.
Wir möchten allen Beteiligten und Teilnehmenden für ihr Vertrauen, das Teilen ihrer Perspektiven und die vielschichtigen Inputs an den beiden Tagen danken!








