2 Tonnen Kalkstein
Neubetrachtung des Denkmals am Markt

2. Nachbarschaftsforum am Neustädter Markt
Stadtkuratorin Leipzig und der Kunstraum IDEAL haben zu drei Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung 2 Tonnen Kalkstein auf dem Neustädter Markt eingeladen.
Im Zentrum des Projekts stand das Gefallenendenkmal von 1926 vor der Heilig-Kreuz-Kirche auf dem Neustädter Markt. Die Ausstellung und die Nachbarschaftsforen auf dem Platz öffneten das Gespräch über die historische Bedeutung des Denkmals zwischen den zwei Weltkriegen sowie seine heutige Wirkung.
Termine
Sonntag, 18.05., 16:00 Uhr
Nachbarschaftsforum am Denkmal I:
Bestandsaufnahme – Wie steht Ihr zum Denkmal am Neustädter Markt?
Zum ersten Nachbarschaftsforum, das in den Räumen des IDEALs stattfand, kamen wir bei Kaffee und Kuchen mit den interessierten Gästen aus der Nachbarschaft ins Gespräch, um verschiedene Erzählungen und Meinungen zum Gefallenendenkmal auf dem Neustädter Markt zu sammeln. Die Künstler:innen des Projekts Anike Joyce Sadiq, Nicole Six und Paul Petritsch waren auch da und konnten von ihrer künstlerischen Arbeit erzählen und in den Austausch mit den Nachbar:innen kommen.
Samstag, 14.06., 18:00 Uhr
„Heritage is the Answer! But what was the Question?“ – Museen, Denkmalpflege und das Recht auf Erbe in der Migrationsgesellschaft
Vortrag von Dr. Gülşah Stapel und anschließendes Gespräch mit Anike Joyce Sadiq
Der Vortrag beschäftigte sich mit den Herausforderungen und Möglichkeiten öffentlicher Erinnerung in einer vielfältigen Gesellschaft. Ausgehend von Gülşah Stapels Buch „Recht auf Erbe in der Migrationsgesellschaft“ ging es um Fragen nach Repräsentation, Ausschluss und dem Umgang mit konflikthaften Erinnerungen.
Dabei spannte Gülsah Stapel den Bogen immer wieder zu dem konflikthaften Gefallenendenkmal in Leipzig – als Beispiel für die politische Brisanz öffentlicher Erbeverhandlungen und die Suche nach einer gerechteren, vielstimmigeren Erinnerungskultur. Im Gespräch mit der Künstlerin Anike Joyce Sadiq und dem Publikum ging es um Gestaltungs- und Deutungsmöglichkeiten von Denkmalen im öffentlichen Raum, um neue künstlerische Formen, die Repräsentation ermöglichen, aber auch ihre Grenzen. Dabei wurde betont, dass viele Denkmäler umstritten bleiben, Konflikte oft nicht gelöst, sondern ausgehalten werden müssen und kulturelles Erbe immer im Wandel ist.
Sonntag, 22.06., 16:00
Nachbarschaftsforum am Denkmal II:
Welche Zukunft hat das Denkmal am Neustädter Markt?
Das zweite Nachbarschaftsforum widmete sich den möglichen Zukünften des Denkmals. Die eingeladenen Gäste brachten dabei ganz unterschiedliche Perspektiven ein. Nach einer Einführung zum Kontext des Denkmals durch Julia Kurz und Gregor Peschko gab Pfarrer Stief von der Hl.-Kreuz-Kirche spannende Einblicke in die historische Entstehung, die symbolische Bedeutung sowie die Herausforderungen bei Erhalt, Finanzierung und dem Umgang mit Vandalismus. Dr. Eschenbrücher, Denkmalpfleger der Stadt Leipzig, ergänzte diese Sicht durch die denkmalpflegerische Perspektive und erläuterte rechtliche und öffentliche Verantwortlichkeiten. Die Militärhistorikerin Dr. Urte Evert von den Museen der Zitadelle Spandau stellte Beispiele aus Berlin vor, wie problematische Denkmäler museal kontextualisiert oder versetzt werden, um ihre Geschichte sichtbar und kritisch reflektierbar zu machen. Martha Schwindling präsentierte zudem ein interaktives Vermittlungstool, das Bürger:innen dazu anregt, Denkmäler kritisch zu hinterfragen und neue Blickwinkel einzunehmen.
Im anschließenden offenen Gespräch wurden verschiedene Szenarien, partizipative Ansätze und dialogische Formate entworfen und diskutiert. Ein zentrales Ergebnis war, dass das Denkmal weder entfernt noch bloß „verschönert“ werden sollte, sondern als offene Projektionsfläche für gesellschaftliche Auseinandersetzungen bestehen bleiben kann. Die Ideen reichten von temporären künstlerischen Interventionen über Infotafeln und Lichtinstallationen bis hin zur aktiven Einbindung der Nachbarschaft.
Parallel zum Gespräch gab es bei Kaffee und Kuchen auch ein Kunstangebot für Kinder, organisiert vom Pöge-Haus e.V. in Kooperation mit der Monumental Bag.
Sonntag, 14.09., 13:00 Uhr
Denkmale der Zukunft – aber welche?
Anlässlich des Tags des offenen Denkmals haben wir erneut auf den Neustädter Markt eingeladen. In einem offenen Workshop für Kids wollten wir erforschen, welche Bedeutung Denkmäler haben und welche es in Zukunft geben sollte. Was bedeuten Denkmale in unserer Gesellschaft? Welche Geschichten fehlen bisher? Und wie könnten Denkmale der Zukunft aussehen?
Mit der Monumental Bag – einem kreativen Werkzeugkasten für Erinnerungskultur, gestaltet von Martha Schwindling und Marlene Oeken – konnten neue Perspektiven auf das Denkmal und Ideen für eigene Denkmale entwickelt werden.






