Kunst zum Richard-Wagner-Hain

Leere Nische am Richard-Wagner-Hain

Leere Nische am Richard-Wagner-Hain
Am aktuell durch die Stadt Leipzig sanierten Richard-Wagner-Hain entsteht auf Initiative des Amtes für Stadtgrün und Gewässer und des Kulturamtes eine Plattform für zeitgenössische Kunst. Historische Mauernischen und Aufsteller sollen künftig mit ortsspezifischen Kunstprojekten in wechselnden Präsentationen bespielt werden.
Der Richard-Wagner-Hain ist durch komplexe historische Schichtungen geprägt. In der Weimarer Republik nutzte die Bevölkerung den Ort als Freibad. 1932 wurde unter dem Leipziger Bürgermeister Carl Goerdeler ein Wettbewerb für ein Richard-Wagner-Denkmal ausgelobt. Die Nationalsozialisten griffen diese Pläne auf, monumentalisierten sie und vereinnahmten den Hain ideologisch. Adolf Hitler legte 1934 den Grundstein für das „Richard-Wagner-Nationaldenkmal“. Für die den Platz umfassenden Mauern waren Nischen für Reliefs des Bildhauers Emil Hipp mit Motiven aus Richard Wagners Opern vorgesehen, die jedoch kriegsbedingt nie vollständig ausgeführt und auch nicht nach Leipzig transportiert wurden. Mit dem Neubau der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK) ab den 1950er Jahren verkleinerte sich die ursprünglich geplante Fläche deutlich. Heute ist der Hain ein lebendiger öffentlicher Ort, der von Anwohnenden und Besuchenden vielfältig genutzt wird.
Mit der Fertigstellung der Sanierung der Stützmauern und Treppen auf der Ostseite des Richard-Wagner-Hains wird ab Herbst 2026 mit zwei Bildträgern auf die vorgesehene Pilot-Ausstellung im Frühjahr 2027 nach Fertigstellung der Wege- und Platzflächen sowie der Bepflanzung hingewiesen werden. Die Ausstellung erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Programm Stadtkuratorin Leipzig. Für die kommenden Jahre ist die Einbindung weiterer kultureller Einrichtungen und Institutionen geplant.
Für die Pilot-Ausstellung werden Maya Schweizer (Medienkunst/Fotografie), Frederike Moormann (Performance/Audiowalk) und das Kollektiv Kubik eingeladen, dem Ort und seinen Facetten künstlerisch zu begegnen. Ihre Projekte werden sich mit den historischen Schichten des Ortes auseinandersetzen sowie Perspektiven auf Erinnerung und heutige Nutzung schaffen.
Die Künstlerin und Filmemacherin Maya Schweizer entwickelt eine kontextspezifische Arbeit für die historischen Mauern des Hains. Ihre künstlerische Praxis beschäftigt sich mit Fragen von Geschichte und Identität sowie den in urbanen Räumen eingeschriebenen Erzählungen.
Frederike Moormann untersucht künstlerisch Richard Wagners musikalisches Werk sowie dessen eigene politische Schriften und Auftritte, die stark mit NS-Ideologien resonierten und zur problematischen Rezeption Wagners durch die Nationalsozialisten beitrugen. Mit einem Chorkonzert und Audiowalk macht sie die historischen Schichten des Ortes von der Weimarer Republik über die NS- und DDR-Zeit bis in die Gegenwart erfahrbar.
Das Kollektiv Kubik entwickelt interaktive „Reaktionsflächen“, die auch die Stimmen der heutigen Nutzenden des Hains einbinden. Zum Auftakt im September 2026 wird es – neben den beiden Bildträgern – auch die Performance-Reihe Chor Kontra Monument geben. Alle künstlerischen Positionen sollen im Frühjahr 2027 erlebbar sein.
Den Auftakt für die erste Projektphase bildet die am 10. und 12. September 2026 stattfindende Performance-Reihe Chor Kontra Monument.
Ein Projekt von Stadtkuratorin Leipzig, dem Programm für Kunst im öffentlichen Raum im Auftrag des Kulturamtes der Stadt Leipzig und dem Amt für Stadtgrün und Gewässer, mit Unterstützung des beauftragten Büros Freiraumkonzepte Landschaftsarchitekten. Frederike Moormann erhält für ihr Projekt eine zusätzliche Förderung durch den Musikfonds e. V.