Softer Paunsdorf – Gemeinsam Weiches stellen!
Workshops, Walks, Plakatkampagne, Ausstellung und digitales Game für den öffentlichen Raum
Die Dokumentation zur Projektreihe, zusammengetragen von
Softer Paunsdorf entstand in Zusammenarbeit mit dem Team von Stadtkuratorin Leipzig, Karoline Schneider, Alexandra Ivanciu und Katharina Köhler und dem Team und der Community des Offenen Familientreffs des Familienzentrums Paunsdorf.
Ende September 2025 macht sich die Sonne nach einem regnerischen Morgen Platz durch die Wolken. Im Erdgeschoß eines der charakteristischen Paunsdorfer Wohnblöcke befindet sich der lange Flachbau der Stadtteilbibliothek Paunsdorf, in der die Abschlussausstellung des Projekts Softer Paunsdorf! eröffnet. Vom 18. September bis 10. Oktober 2025 erzählt die Ausstellung von Lieblingsorten, Angsträumen und Geschichten aus dem Viertel, zeigt auch, wie die Exponate entstanden sind, und dokumentiert und verdichtet die vorangegangene künstlerische Auseinandersetzung. Zum Projekt gehört auch eine stadtweite künstlerische Plakatkampagne, die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist.
In den großen, fast bodentiefen Fenstern der Bibliothek sind textile Objekte und Fotografien zu sehen. Auf schwarzen Gerüsten auf den Fensterbänken montiert, ist die künstlerische Auseinandersetzung von außen wie von innen erlebbar. Gerade die Präsentation als Schaufensterausstellung erweist sich als starkes Format: unabhängig von Öffnungszeiten, regensicher und frei zugänglich. Der Platz davor, unter den Platanen der Platanenstraße, ist ein gut frequentierter Aufenthaltsort. Passant:innen verweilen, bleiben stehen und betrachten von draußen. Die großen Banner sind beidseitig bedruckt, was es den Nutzenden der Bibliothek ebenfalls ermöglicht, alles in Ruhe von innen studieren und anschauen zu können.
Im Rahmen der Veranstaltungen am 18.September und 26. September 2025 finden sowohl ein Aufnäher-Workshop als auch ein Stadtteilspaziergang mit dem Prototyp der digitalen App Emoji Spaces statt. Dabei sitzen in entspannter Atmosphäre Kinder und Erwachsene zusammen, nähen, sticken, bemalen Stoffe, knüpfen Bommeln. Während die Hände arbeiten, entstehen Gespräche über Erinnerungen, über Wege, die man täglich geht, Gedanken werden ausgetauscht. Der sich daran anschließende Walk durch den Stadtteil nutzt die App, die im Rahmen des Projekts entwickelt wurde und nun erstmals gemeinsam mit den jungen und älteren Besuchenden erprobt wird. Angeleitet von der App, entdecken wir nun gemeinsam den Kiez, testen Funktionen, markieren Lieblingsorte, werden selbst zu Skulpturen und ahmen diese mit unseren Körpern nach, diskutieren und beobachten. Über Paunsdorf gibt es viele Geschichten: Schöne und stressige, langweilige und gefährliche, große und kleine. Jede Person erlebt den Stadtteil auf ihre eigene Art und Weise. Viele sind erstaunt, wie ungewohnt aufmerksam man plötzlich an Straßenkreuzungen, Imbissstände und Bänken vorbeigeht, wie vertraute Wege eine neue Farbigkeit und Bedeutung bekommen, wenn man sie bewusst wahrnimmt und beobachtet.
Das Kunstprojekt Softer Paunsdorf! rückte die individuellen Perspektiven in den Mittelpunkt, um den Stadtteil auf besondere Weise erfahrbar zu machen, gängige Sehgewohnheiten aufzubrechen und eine individuelle Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum anzuregen.
Workshopreihe im Offenen Familientreff
Das Team von Stadtkuratorin Leipzig um die Künstlerin Karoline Schneider und die Kunstvermittlerin Tania Kolbe starteten ein Jahr zuvor im November 2024 mit einer Workshopreihe im Offenen Familientreff des Familienzentrums Paunsdorf. Im Zentrum standen Fragen nach der persönlichen Wahrnehmung des Stadtteils: „Wo gehst du gerne entlang?“, „Wo ist es nicht schön?“, „Wo warst du noch nie?“, „Wo musst du hin, ohne es zu wollen?“ und „Wo ist dein Lieblingsort?“. In den kommenden Monaten trafen sich in den Workshops Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft – hauptsächlich FLINTA*-Personen (Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre, trans und agender Personen) zwischen 3 und 75 Jahren, deren Muttersprache von Hindi über Arabisch bis Deutsch reichte.
Wo sind deine Lieblingsorte?
Де твої улюблені місця?
اين هي الاماكن المفضله لديك؟
Wo ist es nicht schön?
Де некрасиво?
أين ليس لطيفا ؟
Wo warst du noch nie ?
Де ти ще ніколи не був?
اين لم تذهب ابدا؟
Ein A0-Stadtplan, Pinn-Nadeln und Post-its dienen als Ausgangspunkt für intensive Gespräche. Damit gelingt es auch bei Sprachbarrieren, die Essenz der Erfahrungen zu erfassen, indem man sich auf die Fragen nach angenehmen und unangenehmen Orten konzentriert. Schnell kristallisieren sich markante Orte Paunsdorfs heraus: Das Familienzentrum selbst wird als „echter” Safe Space wahrgenommen, während der See am Grünen Bogen als „sehr schön und erholsam“ empfunden wird, trotz des Mankos unzureichender Beleuchtung bei Nacht. Die Haltestelle am Konsum und der Konsum selbst werden hingegen als zu meidende Orte oder sogar als „tickende Zeitbomben“ beschrieben, an denen „Leute abhängen und Alkohol konsumieren“. Andere Orte wie das Paunsdorf Center, das Paunsdorfer Wäldchen, der Jugendclub „Crazy“ und die Sachsentherme werden ambivalent beschrieben, was oft mit dem Grad der Vulnerabilität der Personen und ihren persönlichen Erlebnissen verbunden ist. Das Paunsdorfer Wäldchen, welches als Naturschutzgebiet von vielen zur Naherholung genutzt wird, hat auch einen schlechten Ruf und wurde teilweise noch nie betreten. Bis heute erzählt man sich, dass dort im Jahr 2020 eine versuchte Kindesentführung stattgefunden hat.
Diese persönlichen Geschichten und Erfahrungen werden im nächsten Schritt in winterlichen Handarbeits-Sessions in textile Objekte und Skulpturen übersetzt. So sollen die guten Orte wertgeschätzt und die anstrengenden wieder angeeignet und weicher gemacht werden. Die Idee hinter der „weichen Architektur“ ist es, sperrig, grau und kantig wahrgenommene Orte in friedlichere Formen zu überführen und so ein „kuscheliges Paunsdorf“ zu schaffen.
Textile Kunstobjekte
Entstanden sind fünf tragbare Skulpturen, die Orte im öffentlichen Raum in Paunsdorf repräsentieren: Jeansjacken und Westen aus dem Tauschregal des Familienzentrums wurden mit bestickten Aufnähern versehen, die auf Zeichnungen der Kinder aus dem Familientreff basieren und deren Wohn- und Lieblingsorte darstellen. Ein kollektiv gehäkelter fast 6 Meter langer Schal soll zur Abschirmung in angstbesetzten Räumen verwendet werden. Eine tragbare, softe Skulptur des Familienzentrums inklusive Bällebad wird zum Wohlfühlort zum Mitnehmen. Eine Picknick-Decke mit Enten-Motiv lädt zum Verweilen am Grünen Bogen ein und ein Objekt, aus upgecycelten Stofftaschen, bemalt mit erfunden Markennamen und gefüllt mit schwerer Watte, spiegelt die ambivalente Wahrnehmung des Paunsdorf Center als Konsumort wieder: für manche ist es ein beliebter ein Ort zum Verweilen, für andere ein Ort der Überforderung.
Zuhause – Aufnäher erzählen Geschichten
Jeansjacken und Westen aus dem Tauschregal des Familienzentrums wurden mit bestickten Patches versehen, basierend auf Zeichnungen der Wohnorte der Kinder und Erwachsenen. Es entsteht ein tragbares Archiv persönlicher Geschichten und ein kollektives Bild vom eigenen Zuhause. Patches werden in Jugend- und Protestkulturen dafür genutzt, kollektive Zugehörigkeiten und Identitäten zu zeigen.
Konsum – Der schützende Schal
Der gehäkelte Schal „Konsum“ steht für eine sanfte Gestaltung des öffentlichen Raums. Als meterlange, textile Hülle kann er an harten Orten friedlichere Zonen erschaffen oder angstbesetzte Bereiche umhüllen. Er lädt zur Interaktion ein und symbolisiert Fürsorge und Gemeinschaft. Direkt am Körper getragen kann auch ein temporärer Schutzraum entstehen, der Wärme und Nähe vermittelt.
Familienzentrum – Ein gehäkelter Schutzraum
Das Objekt „Familienzentrum“ ist ein begehbares Häuschen aus gehäkelten Babydecken, liebevoll verziert mit Bommeln, die das beliebte Bällebad darstellen, sowie vielen Stickereien und kleinen Details. Weich, bunt und geborgen wie das echte Familienzentrum in Paunsdorf, ist es ein Ort, der Wärme und Nähe weckt und Gemeinschaft spürbar macht.
Grüner Bogen – Eine Decke für alle
Die Picknickdecke mit Enten- und Teichmotiv lädt zum Verweilen am Grünen Bogen ein. Das textile Objekt ermöglicht es, sich den öffentlichen Raum anzueignen und bietet Raum für Begegnung, Entspannung und spontane Zusammenkünfte. Nachhaltig gefertigt aus upgecycelten Stoffbeuteln steht sie auch für kreative Wiederverwendung.
Paunsdorf Center - Ein Objekt gemacht aus Taschen
Upgecycelte Stofftaschen, bemalt mit erfundenen Markennamen und gefüllt mit schwerer Watte, spiegeln die ambivalente Wahrnehmung des Einkaufszentrums wieder: für manche Verweilort, für andere Ort der Überforderung. Das Objekt „Paunsdorf Center“ vereint Gegensätze: Entspannung, Zerstreuung und Reizüberflutung. Die Schwere des Materials macht diese Spannung körperlich erfahrbar und lädt zur Reflexion ein.
Ein professionelles Fotoshooting im Frühjahr 2025 mit der Fotografin Alexandra Ivanciu im Familienzentrum setzt die textilen Arbeiten gemeinsam mit den Teilnehmenden in Szene. Im Bewegungsraum des Familienzentrums wird ein Fotostudio eingerichtet und eine Make-up-Station aufgebaut. Das Team von Stadtkuratorin Leipzig schminkt, einige Menschen kommen vorbereitet mit Bildideen und Outfits, andere bekommen beim Zusehen Lust, ebenso teilzunehmen und sich verwöhnen und mit den Objekten fotografieren zu lassen. Die Atmosphäre ist geprägt von Lob und gegenseitigen Komplimenten. Die Kinder haben sichtlich Spaß, sich selbst in Szene zu setzen.
Die Plakatkampagne: Kunst im öffentlichen Raum
Aus den Projekt-Fragen, Statements aus der Gruppe und den Fotos der Objekte entsteht eine künstlerische Plakatkampagne, die in Kooperation mit der Fotografin Alexandra Ivanciu und der Grafikerin Katharina Köhler umgesetzt wird. Die Kampagne ist vom 19. Mai bis zum 6. Juni 2025 in Paunsdorf und ganz Leipzig zu sehen. Die Plakate sollen im öffentlichen Raum Aufmerksamkeit erregen und das Projekt mit allen Teilnehmenden udn ihren Themen sichtbar machen. Menschen im Stadtraum sind über Fragen ebenfalls eingeladen, ihr eigenes Verhältnis zu ihrer Umgebung und den thematisierten Orten zu reflektieren. Im Gegensatz zu Werbekampagnen mit direkter Message, regen die Kunstwerke eine individuelle Auseinandersetzung an. Vermittlungstexte bieten, abrufbar über einen QR-Code, weitere Einblicke in das Projekt.
Der performative Walk: Austausch und Reflexion
Den Abschluss der Plakataktion bildet ein performativer Walk durch Paunsdorf am 5. Juni 2025, der in einem gemeinsamen Picknick am Grünen Bogen mündet. Treffpunkt ist das Familienzentrum Paunsdorf. Trotz anfänglicher Unsicherheit, ob sich die Gemeinschaft des Familienzentrums dem Walk im öffentlichen Raum anschließt, entwickelt sich eine große, engagierte Runde. Mit spontanen performativen Elementen, kleinen Scores und Spielen führte das Team von Stadtkuratorin Leipzig die Gruppe durch den Kiez, entlang der Standorte der Plakatkampagne. Die vertraute Athmosphäre ist bemerkenswert; Kinder werden zur Betreuung mitgegeben und experimentierten mit den Objekten im Stadtraum. Im Park wartete bereits weitere Familien auf die Gruppe. Der Walk führt zu den Orten, zu denen die Kunstwerke entstanden waren, und bietet Raum für Gespräche über weitere Lieblings- und Unorte im Stadtteil und Umgebung. Der Platz an der Waldziehstraße 1 rund um den KONSUM wird zum Zeitpunkt des Walks gerade neu gestaltet. Gemeinsam mit Sonja Golinski vom Quartiersmanagement Paunsdorf werden wir weiter beobachten, wie sich die Situation dadurch langfristig verändern kann. Denn vor allem vulnerable Gruppender Viertel gelegt werden. Schließlich wird ihr Wohnraum und Zuhause durch jene Maßnahmen im öffentlichen Raum geformt.
Ein wiederkehrendes Thema, das sich durch das gesamte Projekt zog, war die Erkenntnis, dass es keine absoluten Safe Spaces, sondern lediglich Safer Spaces geben kann. Diese Räume werden von Menschen gehalten, die ein Risiko tragen und darum Schutzräume bieten. Das Familienzentrum Paunsdorf erwies sich als ein solcher Ort, und auch der gemeinsame Spaziergang und das Picknick schufen temporäre Safer Spaces, in denen sich die Teilnehmenden geborgen fühlen konnten.
Symposium
Das Projekt Softer Paunsdorf! war auch Thema auf dem Symposium Safer Spaces im öffentlichen Raum – Kunst als Medium und Methode, das von Stadtkuratorin Leipzig vom 06.12 – 07.12.2024 organisiert wurde und sich mit der Entwicklung neuer Formate und Produktionsbedingungen im öffentlichen Raum, insbesondere für FLINTA* und BIPoC (Black, Indigenous, and People of Color) befasste.
Am zweiten Tag des Symposiums stellt Karoline Schneider in einem moderierten Werkstattgespräch die Frage, wie sich mit Kunst Safer Spaces im öffentlichen Raum schaffen lassen. Dabei wurden anhand von Fails und Best Practice Beispiele und persönliche Erfahrungen der Teilnehmer:innen, Chancen und Schwierigkeiten beim Arbeiten im öffentlichen Raum diskutiert. Wünsche nach weniger Ergebnisdruck und einer höheren Partizipation der Bewohner:innen der Viertel wurde hervorgehoben. Beispiele, die Strategien aus darstellenden Künsten beinhalteten und sinnvolle Verschränkung mit digitalen Medien praktizierten, wurden positiv hervorgehoben. Vor allem Personen aus der Sozialen Arbeit, wiesen darauf hin, dass es ein Gleichgewicht aus Geben und Nehmen in Projekten geben muss. Oft werden Communities befragt und Wissen abgeschöpft, jedoch wenig zurückgeführt. Echte Beziehungsarbeit und Mitbestimmung ist nötig. Davon ist abhängig, ob Safer Spaces im öffentlichen Raum als feste Architekturen, die einen Stadtteil transformieren, entstehen können. Generell wurde kritisch diskutiert, ob bildende Kunst im Sinne eines Kunstwerks, das nicht performativ angelegt ist, in der Lage ist, Safer Spaces zu schaffen.
Die während des Symposiums aufgeworfenen Fragen und Diskussionspunkte flossen in die Konzeption des Projekts Softer Paunsdorf! ein. Die anschließende Realisierung mit Fotosession und Walk ist mit den Akteur:innen aus Paunsdorf eine gemeinsame Suchbewegung nach Antworten auf die Fragen: Was sind Safer Spaces und was braucht es, um diese herzustellen? Kann es diese Räume auch außerhalb institutioneller Grenzen im öffentlichen Raum geben? Welche Menschen können diese Räume halten? Welche Risiken tragen sie dabei?
Ein ausführlicher Bericht zum Symposium ist hier nachzulesen.
Ein Bericht zum Austauschformat mit Senja Brütting ist ebenfalls in der Bibliothek verfügbar.
Zum Abschluss
Zeitsprung nach vorn. Ein Freitag im frühen Herbst. Über Paunsdorf liegt diesmal ein grauer Himmel und die ersten Tropfen fallen, als sich am 26. September 2025 vor der Bibliothek kleine Gruppen zum Aktionstag Emoji Spaces versammeln. Es ist der letzte Aktionstag zur Abschlussausstellung. Trotz des nassen Wetters ist die Stimmung erwartungsvoll. Viele Gesichter sind bekannt und einige der Teilnehmenden waren bereits beim Patches-Workshop zur Ausstellungseröffnung dabei.
Nach einer kurzen Einführung von Tania Kolbe (Kunstvermittlerin) und Karoline Schneider (Künstlerin), die durch die Ausstellung führten und den Entstehungsprozess von Softer Paunsdorf! erläuterten, beginnt der app-basierte Walk. Die erste Gruppe mit rund acht Personen zieht los, Smartphones in der Hand. Gespielt wird reihum: Jede Person wählt eine Kartenfarbe, liest die Aufgabe laut vor, und gemeinsam wird ausprobiert, beobachtet, kommentiert.
Der Prototyp der kooperativen Smartphone App „Emoji Spaces“ ermöglicht es, spielerisch und gemeinsam mit einer Gruppe öffentliche Räume aus anderen Blickwinkeln kennenzulernen. Jede digitale Karte enthält eine Handlungsanweisung und eine dazu passende Reflexionsaufgabe, die zum Mitmachen und Nachdenken anregt. Mit Emojis können Eindrücke geteilt und auf einer interaktiven Karte gesammelt werden. So entsteht ein kollektives, emotionales Bild des Stadtteils.
Woran erkennt ihr, dass ihr an einem entspannten Ort seid?
Schließt eure Augen und hört auf Geräusche um euch herum. Was klingt vertraut? Was stört?
Sucht euch ein Objekt oder ein Bild in eurer näheren Umgebung und ahmt dies mit eurem Körper nach.
Zwischen den Gebäuden, im Grünen Bogen und auf Spielplätzen werden Bäume, Rutschen und Sockel nachgeahmt, Menschen auf Bänken beobachtet, Geräusche gesammelt und besprochen. Eine Aufgabe fordert dazu auf, den Weg zu den Toiletten zu finden. Dabei wird deutlich, wie viele Treppen Paunsdorf an manchen Stellen verlangt. Die Karten regen dazu an, genauer hinzuschauen: Wo fühle ich mich willkommen? Wo nicht? Was klingt vertraut, was fremd? Auch das Platzieren der Emojis auf der digitalen Karte wird zu einem kleinen kollektiven Ritual. Eine Teilnehmerin entpuppte sich als wahre Emoji-Expertin und fand stets das passende Symbol für Ort und Stimmung, welche die Karte Stück für Stück bunt und quirlig bevölkerten. Gespräche entstanden von selbst und fast nebenbei veränderte sich der Blick auf vertraute Wege.
Softer Paunsdorf! war ein Langzeit-Kunstprojekt, das nicht nur den öffentlichen Raum mit neuen Perspektiven bereicherte, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Gemeinschaftsbildung und zur Reflexion über die Nutzung und Wahrnehmung unserer urbanen Umgebung leistete. Softer Paunsdorf! hat Geschichten gesammelt, textile Skulpturen geschaffen, eine Plakatkampagne in die Stadt getragen, Diskussionen eröffnet, Begegnungen und Vertrauen ermöglicht. Im Zentrum steht die Erkenntnis, dass es keine absoluten Safe Spaces gibt. Aber sie können gemeinsam erarbeitet, gehalten und gepflegt werden. Dass Safer Spaces geschaffen werden, das bleibt. Und das sollte als zentrale Handlungsmotivation gesehen werden.
Übrigens: In Folge 3 des Stadtkuratorin Leipzig Podcasts und dem „Paunsdorf Spezial“ der Reihe erfahrt ihr mehr über die Hintergründe des Projektes.